o.k.kuper, Frau Lu, Unruh und unruhr

Huntlosen. Huntbegraben. Eine Scheune im Hinterland. Die alten Scheiben sind blind, Gott sei Dank nicht taub. Nicht gut reinzuschauen, doch wirklich: Man hört, was rauskommt.

Das Schlagzeug war mal Enzo Ferraris Metronom, der Typ links kramt in einem Schiffscontainer voller Gitarrenriffs und über die Abschaffung der Soli diskutiert hier niemand. Der Lange in der Mitte singt deutsche Lyrik. Mal geschmeidig wie Kaschmir, mal kratzbürstig wie dein Angora-Unterhemd an kalten Tagen. Und jetzt schreit der Bass: Los geht’s, Jungs!
Die Kollegen von o.k.kuper sind nicht exaltiert, sind unprätentiös. Kein Pathos, der dich ankotzt. Übers platte Land geht's eben nur geradeaus. Der Sound von Bass, Gitarren und Schlagzeug hat lange Wurzeln in der Rock- und Pophistorie, ist auch ohne digitale Spielereien auf der Höhe der Zeit. Geht das? Kann deutsche Musik dieser Tage hip sein, cool sein, Relevanz besitzen, ohne aus Berlin zu kommen? Berlin…ach Gottchen…hier und jetzt kommt Oldenburg!

Frau Lu ist die erste Single und macht Vorgeschmack auf das demnächst erscheinende Album.

www.facebook.com/okKuper

Herbstliche Entschleunigung - Pop Ambient 2018

Das Kompakt Label aus Köln setzt seine Pop Ambient Reihe fort. Ab sofort steht die 2018er Ausgabe zur Verfügung. Kurator Wolfgang Voigt hat wieder einmal eine Reihe handverlesener Tracks zusammengestellt, die einerseits alten Würdenträgern des Pop Ambient huldigen, aber auch Emporkömmlingen eine Chance geben.
Es stehen Beiträge von den Veteranen Max Würden und Thore Pfeiffer neben Tracks eines neuen Gesichts wie das des Japaners Yui Onodera, genauso wie Stücke eher genrefremder Künstler. Techno-Provokateur T.Raumschmiere steuert seinen Teil bei und auch der Mann an der Pedal Steel Guitar Chuck Johnson entwirft für Pop Ambient 2018 klangliche Räume.

Hallo Roberto, hallo Echo

Wenn ein Kölner Label einen Jungen aus Düsseldorf unter Vertrag nimmt, dann muss derjenige aber wirklich gut sein. Roberto Echo scheint's also drauf zu haben, wenn wir auch nicht verschweigen sollten, dass der junge Beatmaker ursprünglich aus Köln kommt.
Nun präsentiert Melting Pot Music also "Jamais vu", das Album von Roberto Echo, den niemand mit dem Reggae- und Dub-Recken Umberto Echo verwechseln sollte. Robertos Output liegt eindeutig im klassischen, sample-geprägten HipHop mit sehr viel Soul und Jazz. "Jamais vu" ist daher ein tiefenentpanntes, sehr feines, instrumentales Album geworden.
Wenn ihr dieses hört, arbeitet Roberto schon längst am zweiten Album, das konsequenterweise "Déjà vu" heißen wird.

www.soundcloud.com/robertoecho

Schlafanzug-Pop - Farewell Dear Ghost

"Neon nature" ist das zweite Album der östereichischen Indie-Popper Farewell Dear Ghost. Die Single "Pink noise" und das dazugehörige Video zelebrieren Haut und Haar und bequeme Bühnenoutfits.
Philipp Szalay und seinen Mitstreitern Alex Hackl, Andreas Födinger und Philipp Prückl sagt man Indiepop mit wohldosiertem Pathos nach, der auch die amerikanischen Kollegen von Nada Surf beeindruckte. So war Farewell Dear Ghost der Support für die US-Indierocker auf ihrer letztjährigen Europatour.
Das so schwierige zweite Album von den lieben Geistern, war für die Österreicher noch ein bisschen schwieriger. Vier Jahre vergingen seit dem Debüt und "Neon nature" ist ein wenig Neuerfindung der Band aufgrund vieler neuer Einflüsse wie beispielsweise einer China-Tour. "Neon nature" wurde daher ein facettenreiches Album und ist seit Oktober in den Regalen.

www.farewelldearghost.com

Auf Mission - Die Dschungel

dieschungel3Vier Jungs aus Berlin sind fest entschlossen, ihr Glück nicht in hippen, aber langweiligen Jobs zu suchen, die zwar Geld, doch keinen nennenswerten Verdienst bringen. Das Heil suchen Die Dschungel in der Musik. Weil sie uns etwas zu sagen haben? Nun ja, zumindest töten sie uns nicht den Nerv mit selbstreferentiellem, Songtext genanntem Geschwafel.
Zum kantigen Wort komponiert Die Dschungel passende Sounds hinzu. Das klingt zwischendurch nach 80er, mancher hört vielleicht etwas Wave von damals heraus, ein bisschen mehr Punk der andere. Es klingt nach Bunker und nach Straße. Es ist Westberlin für die 2020er!
Die Dschungel hat gerade eben die ersten Tracks in Umlauf gebracht, die den rauhen Charme von Demotapes besitzen.
Und wenn die Band in 10 Jahren auf der Welle des Erfolgs diese Aufnahmen wieder auflegt und euch für viel Silbergeld vertickt, kommt mir nicht geheult. Ich habe es euch gesagt.
Unbedingt hier reinhören: www.diedschungel.bandcamp.com

Kulahlah lali dum di dum - Schöne Kelela

Kelela hat Anfang Oktober ihren ersten Longplayer "Take me apart" veröffentlicht und man kann sagen, dass Fans und Fachpresse deswegen Kopf stehen. Die kommende US-Tour ist bereits ausverkauft und auch im Berliner Berghain ist mit Tickets schon Schicht. "Näher an die Zukunft kommt gerade keiner: Kelela macht sinnlichen, hyperdigitalisierten R’n‘B für das Jahr 2018", meint der Musikexpress und der Süddeutschen fiel "nach zwei- oder dreimaligem Hören auch auf, wie meisterlich dieses Album sequenziert ist."
Bisher war niemand der Meinung, dass nach dem ersten Mixtape vor vier Jahren der 2015-EP "Hallucinogen" auch anderes erwartbar gewesen wäre. Eine versponnere Art von R'n'B, der es nicht nötig hat, deutlich in Richtung Pop zu schielen von einer Künstlerin, die nicht dem Genrestandard folgen muss und nackte Haut als Verpackung des Albums benutzt. Ohne Frage muss sich die schöne Kelela nicht verstecken, aber benötigt jeder Track unbedingt noch einen extra Tacken Erotik? Ist das ein Verkaufsargument? Doch die Redakteure von Spiegel online schwärmen: "Ihr Körper, ihr Sex, ihre Blackness!" Weshalb also über Musik reden, wenn Kelela auch im neuesten Video zu "Blue light" lasziv den Reißverschluss nach unten gleiten lässt.
Und wenn man dabei nicht ins Stottern gerät, lernt man jetzt auch bei youtube, dass die Amerikanerin mit äthiopischen Wurzeln nicht (kihlihlah], sondern [kuhlahlah] heißt. Oder so. Kapiert?