Sonntag Morgen um 5

Der nächtliche Heimweg nach der Party, nach dem Club oder von der Kneipe war schon immer etwas Besonderes. Der Lauf durch die menschenleere Stadt in dieser seltsamen Stimmung zwischen Hochgefühl und Melancholie brennt im Hirn für immer, das vergisst man nicht. Dann am Küchentisch mit dem letzten Bier, weil Schlafengehen jetzt völlig unsinnig wäre.
Dieses Setting fängt Lido verdammt gut in seinem neuen Clip ein. "Postclubridehomemusic" bringt das Gefühl auf den Punkt, auch wenn man in der heutigen Zeit den Heimweg offensichtlich im selbstfahrenden Auto antritt, anstatt leicht schräg über die Gleise den Weg nach Hause zu suchen.
Der junge Norweger kündigt mit "Postclubridehomemusic" seinen zweiten Longplayer "Peder" an, der im kommenden Herbst bei Because Music erscheinen soll. Da könnt ihr euch noch das ein oder andere Mal verlaufen und seid trotzdem rechtzeitig zur Veröffentlichung zu Hause.

www.soundcloud.com/lidogotsongs

Quarantäne kann uns nicht bremsen

Es ist eine weitere von den Lasst-euch-nicht-unterkriegen-Ideen in diesen Tagen. Für AWOLNATION ist die Kontaktsperre kein Hindernis, um eines ihren neuen Stücke im Duett mit Alice Merton zu performen. Räumlich weit voneinander entfernt, aber eng zusammen im Geiste. In diesem Sinn haben sich die amerikanische Band und die deutsche Sängerin technisch zusammen gefunden, um einen der neuen Songs von AWOLNATION gemeinsam zu performen.
"The best" erscheint auf dem neuen Album von Aaron Bruno und seinen Mannen, das am 24. April unter dem Titel "Angel Miners & The lightning riders" erscheinen wird. Die Version als Duett erscheint heute und zeigt, was man als Stubenhocker trotzdem auf die Kette kriegen kann. Nehmt euch ein Beispiel. Macht "The best" aus der miesen Situation!

www.awolnationmusic.com

New sounds from the Pott

Eine vielversprechende Band aus dem Ruhrgebiet gibt's nicht aller Tage. Zum Glück tritt jetzt Drens aus Dortmund auf den Plan. Mit einer Mischung aus Garagenhof und Malibu greifen die vier Jungs an. Die erste EP "Pet peeves" steht im Startblock und wartet auf den Schuss am 15. Mai.
Der aktuelle Appetizer heißt "Saditsfiction" und behandelt die faulen Tage, die man mit Katzenquartett und Rumsabbern verbringt, während alle anderen am persönlichen Erfolg arbeiten. Drens hat den wachen Blick für die Beschissenheit der Dinge und dennoch eine Sicht für all das Schöne und Gute. Es sind nicht nur Fragen, die diese Band aufwirft. Es gibt auch Antworten - ein Schulterklopfer, ein aufmunterndes Nicken oder zwei Bier an der Bar.

www.drens.de

Besser nicht seinlassen - Helgens zweites Album

Wer sein Album "Die Bredouille" nennt, wirkt ein bisschen merkwürdig. Solche Menschen gehen brausen, wenn sie duschen und stellen sich ein Kofferradio in die Küche auf die Anrichte. Das alles passt einfach zu Helgen, dieser Indie-Band aus Hamburg, die doch besser Musikkapelle heißen sollte. Also, diese langhaarigen Krachmacher kündigen ihr zweites Album an. Und das ist verdammt spannend. Was kommt nach dem großartigen Debüt "Halb oder gar nicht"?
Man weiß es nicht so genau. "Woran hat es gelegen" erscheint ein wenig dramatischer im Sound und in der Lyrik als noch 2017. Das Understatement und die Lakonie des Erstlings ist von gestern. Das ist schade. Doch jetzt ist der Weg frei für mehr. Und mehr hat Helgen ganz viel zu bieten. Die Band macht den nächsten Schritt und das Gelaber vom schwierigen zweiten Album ist Schrott.

Hier ist ganz viel Vorfreude angesagt. Nirgendwo eine Bredouille.

www.helgenmusik.de

Reisender in Marokko

rabi harnoune traveller coverEs ist kein neues Konzept. Seit den 80er haben befreundete Musiker immer wieder lokale Musiken mit europäisch-amerikanischem Pop gemixt. Was Rabii Harnoune und V.B.Kühl nun machen geht genau in diese Richtung.
Rabii ist eine Ikone der Gnawa Music, eine in Marokko beheimatete Spielart afrikanisch-arabischer Musik. Rabii Harnoune benutzt dabei die Guembri, ein dreisaitige Laute, für den speziellen Gnawa Klang. Dazu kombiniert V.B.Kühl elektronische Beats, für die der Frankfurter schon seit Mitte der 90er steht. Durch V.B.Kühl Grooves und Harnounes Spirit wird "Traveller" zu einem Track, der einerseits clubtauglich ist, andererseits die Spiritualität arabischer Musik in sich trägt. Der Traveller ist eine wichtige Figur der Gnawa Kultur. Jemand der in der Welt unterwegs ist und seine Eindrücke in Musik umwandelt und damit den westafrikanischen Griots nahesteht.
Das Verbindende trägt das kommende Album der Beiden auch im Titel: "Gnawa Electric Laune". Aufgenommen in 7V-Studio von Achim Sauer (V.B.Kühls langjährigem Partner) will "Gnawa Electric Laune" eine musiklische Brücke bauen zwischen Afrika und Europa. "Traveller" ist jetzt die erste Offerte aus dem Album, das am 08. Mai bei Tru Thoughts veröffentlicht wird.

Hier könnt ihr in den Track reinhören: www.twistedsoulmusic.org

Das schöne Klavier...

Man sollte meinen, eine Pianistin mit Herzblut gibt Acht auf ihr Instrument. Im neuen Clip von Hania Rani sieht das nicht so aus. Gehen wir aber davon aus, dass das Klavier im Film vom Sperrmüll kam.
Das tut dem Sound von "Leaving" keinen Abbruch. Es ist ein fast schüchterner Track, den man in der Art durchaus von Hania erwarten konnte. "Leaving" ist der erste Ausblick auf oder der erste Einblick in das zweite Album der jungen Polin. Das neue Stück wäre sicher auch auf ihrem Debüt "Esja" gut aufgehoben gewesen, aber geht bereits ein wenig weiter als ihre bisherigen Solo-Klavierstücke.
Für das neue Albums "Home" verspricht Hania Rani andere Töne anzuschlagen. Bei den Aufnahmen für "Home" hat sich Rani mit zwei Jazzmusikern an Bass und Schlagzeug verstärkt.Gemeinsam mit Ziemowit Klimek und Wojtek Warmijak versucht sie ihren Sound weiter zu entwickeln. Das Klavier wird von Bass, Schlagzeug, Streichern, Synthies und Samples ergänzt und Hani kündigt an, das im Sommer auch live umzusetzen.
"Home" wird am 15. Mai bei Gondwana Records erscheinen.

www.haniarani.com

Traumhaft - Domus aus Schweden

domus luciddreaming kleinEs gibt Alben, die müssen so heißen wie sie heißen. Dazu gehört auf jeden Fall "Lucid dreaming" von Domus, das kürzlich bei Astronaut Recordings erschien. Die acht nahezu instrumentalen Tracks der Band sind schlicht ein Traum. Hier wird sakrale Schwere von sphärischer Hypnose abgelöst, olle Synthies geben sich die Klinke in die Hand mit clubtauglichen Beatbrettern und pedalgetriebenen Gitarrensounds.

Domus liefern euch nichts für den Sonntag Nachmittag Tanztee, eher was für lange Samstag Nächte kurz vor der Dämmerung. Ein drängender Sound, der eure Heimstereoanlage herausfordert. Was Henrik Sunbring und Thobias Eidevald auf den Tisch bringen, ist der Sound für eure Tagträume. Musik, die auch psychoaktive Substanzen sicher nicht von der Bettkante schubsen würde. Das nennt man Kraut-Postrock, was sehr schön ist, passt in den Begriff doch eigentlich alles rein.

Die Empfehlung ist, euch das Ding als transparentes Vinyl zu besorgen und akustisch zu inhalieren, wenn ihr versteht, was ich meine.

www.domusband.bandcamp.com

Mit dem dritten hört man besser

Wenn der Sound um den Beat herumeiert, kann Goldroger nicht weit sein. Mit seinen Produzenten Dienst & Schulter hat der Rapper inzwischen einen Trademarksound erschaffen, den das letztens veröffentlichte Album "Diskman Antishock" repräsentiert. Der Titel lässt schließen auf Goldrogers Jugend in den 90ern. Oder sogar in den 80ern?
In diese Richtung geht's zumindest textlich im neuen Track von Goldie. "Kalkulation" ist die brandneue Single, die jetzt schon "Diskman Antishock II" ankündigt. Die Fortsetzung kommt am 08. Mai.
Das neue Album kombiniert wieder Goldrogers assoziative Lyrik mit alternativen HipHop Sounds. Nennt es Fortsetzung, Doppelalbum oder Episode zwei. "Diskman Antishock II" wird für sich genau so gut dastehen wie Schulter an Schulter mit seinem Vorgänger.

www.instagram.com/ichbingoldie

Der Abgrund hinter den Schuhspitzen

Die Melting Palms stellten wir euch vor als eine Band, die The Cure beeinflusst hätte, wenn sie vor 40 Jahren gegründet worden wäre. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn Melting Palms sind deutlich kompromissloser als es Robert Smith und Kollegen jemals waren. Der Hamburger Fünfer serviert brachiale Gitarren in Kombination mit ausufernden Sphärenklängen. Leicht depressive, bittersüße Indie Sounds, getragen von drei Gitarren. Shoegaze, Postpunk, Psych. Da ist alles drin bei den Melting Palms.

Die Hamburger Kapelle hat jetzt den ersten Longplayer am Start. "Abyss" wurde bei La Pochette Surprise veröffentlicht und sollte bei einer schönen, kleinen Clubtour gebührend promotet werden. Wenn die mal nicht dem Virus zum Opfer fällt. Obwohl der Sound von Melting Palms sicher the cure wäre.

www.meltingpalms.bandcamp.com

 

Ganz einfach Kalthauser

Wenn jede Band versucht, den ganz besonderen Sound zu kreieren, ist es tatsächlich einen Versuch wert, mit schnörkellosen Songs zu punkten. Kalthauser aus Chemnitz sind in dieser Richtung unterwegs. Mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Synthie erschaffen die Newcomer deutschen Poprock, den man nicht erst analysieren muss, um ihn zu genießen. Das ist ein Sound, zu dem man gute Küchenparties feiert, mit dem Bier in der Hand in den Türrahmen gelehnt.
Das war schon immer so und wird vermutlich auch so bleiben. Und deshalb braucht man Bands wie Kalthauser, auch wenn sie die Musik nicht revolutionieren. Die Jungs haben neben "Alles brennt" jetzt bereits die zweite, eher ruhige Single "Erlöse mich" am Start. Die beiden Songs sind auch auf dem selbstbetitelten Debütalbum. Daran wird noch ein wenig geschraubt, aber am 08. Mai ist es dann soweit. Plant schon mal eine Party.

www.kalthauser.de

Golden, golden, golden eighties

Im letzten Jahr stellten wir euch bereits Bloodhype vor als eine Band, die das Erbe der 80er und 90er zeitgemäß verwaltet und fortentwickelt. Nun steht "Violent heart" in den Startlöchern und ist damit der erste Vorbote auf das Debütalbum der Band. Im Clip erscheint uns Frontmann Elmar Weyland als ein Wiedergänger von Falco oder meint man das nur, weil's so gut zum Sound von "Violent heart" passt? Doch auch das 80er Jahre Saxophon fehlt nicht und wird als Baritonvariante optisch ansprechend von der argentinischen Jazzerin Sofia Salvo in die Kamera gehalten. Die es darüber hinaus noch schafft, im Clip nicht nur zwischen Keyboards und Saxophon sondern auch regelmäßig zwischen High Heels und Sneakers zu wechseln. Respekt! Und dazu noch diese Synthies....wie früher!
Wir können uns nur wiederholen: Wer die 80er und 90er musikalisch im Herzen trägt, egal ob immer noch oder erstmalig, der wird um das Berliner Indie-Quartett kaum einen Bogen machen können. Wir lassen euch auf jeden Fall wissen, wann während dieses hoffentlich langen Sommers 2020 denn nun genau der Erstling "Modern eyes" von Bloodhype in den digitalen und analogen Plattenregalen stehen wird.

www.bloodhype.com

Es werde Discolicht!

Der englische Soundfrickler Joe Mount hat das letzte Metronomy Album zwar bereits in 2019 veröffentlicht. Doch jetzt wird nochmals eine Single augekoppelt. "Whitsand Bay" ist ein sehr cooles Stück Electro-Pop, das mit schönem Basslauf und straffem Schlagzeug sehr funky daher kommt und gekonnt einfache Gitarrensounds einsetzt. Das macht richtig Spaß.
Fast noch besser als der Song ist das dazugehörige Video. Unter Regie von Sam Davis und Tom Andrew wird eine Disco-Leuchte verfolgt, die aus einem alten italienischen Club der 80er gerettet und jetzt in verschiedenen Umgebungen gefilmt wurde. Visuell ist das äußerst gelungen.
"Whitsand Bay" bestätigt, dass das 2019 Album "Metronomy forever" richtig gelungen ist und immer noch unbedingt zu empfehlen ist.

www.metronomy.co.uk

Bekiffter Hund im Orb

"Abolition of the Royal Familia" ist das 17. Album des Elektronik-Konzerns The Orb. Vater Orb aka Alex Paterson hat das ehemalige Mitglied der Live-Band Michael Rendall zum Partner gemacht. Das neue Duo wird "Abolition of the Royal Familia" am 27. März veröffentlichen und darauf klassischen House, ein wenig Reggae und Dub sowie auffallend viel Pop in einer eingängigen Mischung präsentieren.
Die erste Single kommt jetzt vorab. "Daze" ist ein locker-flockiger Disco-Tune im Stile der 70er. Dazu tanzt sogar euer Hund. Wenn er nicht gerade bedröhnt ins Weltall unterwegs ist.

www.theorb.com