Lasst o.k.kuper doch nicht allein

Warum besprechen wir bei unruhr zum wiederholtem Mal eine Band aus Oldenburg? Ganz einfach, weil der Bass der Band aus Bochum-Wattenscheid kommt. Und weil o.k.kuper nebenbei eine großartige Band ist, die niemand hören will und wir das nicht verstehen.
Schneidende Gitarren, ein Schlagzeug wie ein Metronom, der Bass aus Wattenscheid, himmlische Chöre und thekenphilosophische Texte. Alles handgemacht auf einem Dachboden in Huntlosen (ist die Partnerstadt von Wattenscheid, glaub' ich). Schöne Rockmusik mit einer kleinen Prise Abseitigkeit, meistens mit viel Drive und hundertprozentiger Mitsinggarantie. Das ist alles nachzuhören auf dem zweiten Album von o.k.kuper, das "Alleinsein im Chor" heißt, brandneu ist und ab sofort auf den üblichen Kanälen zu streamen ist.
Also Leute, jetzt müsst ihr euch endlich dieser Band widmen, sonst verrotten die Vier in ihrer Kate im Moor. Schiebt die Rockstarkarriere von o.k.kuper an, bevor es zu spät ist. Rollatoren auf Bandfotos sehen einfach scheiße aus.

www.instagram.com/o.k.kuper

Wäre Dieter-Thomas begeistert?

Die Resi ist Österreicherin und muss nur über den Brenner. Vermutlich ist deshalb der Schlager entstanden "Ich will nach Italien". Ein kleines Stück Musik, das Sehnsüchte stillt oder auch nicht. Das Schlager ist oder auch nicht. Das Spaß macht oder auch nicht.
Resi Reiner hat nie eine Karriere im Musikbusiness geplant. Aber jetzt ist sie draußen, die Debüt-Single. Ein Song, der gemacht ist für die Adilette und das Besetzt-Handtuch auf der Sonnenliege. Und in einer langen Tradition bis hin zu Frl. Menke steht, die Dieter Thomas Heck vermutlich nur unter Androhung von Gewalt in seiner Hitparade zuließ.
Und jetzt verrat ich euch was: Am Samstag fahre ich einfach geradeaus nach Süden. Nach Italien. Und auch Jens Spahn kann mich dieses Mal nicht aufhalten.

www.instagram.com/resingbitchface

Der Abschied von Benzinzapfsäulen

Hamm in Westfalen. Das ist nicht Berlin, nicht Hamburg, nicht Köln. Nicht mal Ruhrgebiet. Aber es ist die Heimat der Kapelle Petra mit Leadsänger Opa. Und deren Sound ist mehr als Hamm. Vielleicht nicht Berlin, Hamburg, Köln. Aber mindestens Ruhrgebiet. Schnörkellosen Indie-Rock bekommt ihr geliefert von dem Hammer Trio.
Das neue Stück "An unserer Tanke brennt noch Licht" gehört zur EP "Der Herbst" und diese gehört zur jahresbegleitenden Tetralogie der Kapelle Petra mit dem Titel "Die vier Jahreszeiten" und ist nicht geklaut von Beethovens Bruder oder so. "Der Herbst" ist ein wenig depressiver als die bisher erschienenen "Der Frühling" und der "Der Sommer". Logisch. Freuen wir uns trotzdem auf "Der Winter" und die Erscheinung von "Die vier Jahreszeiten" Ende November.

www.kapellepetra.de

Deep, deep, deeper

Das haben sie sich verdient. Mit dem dritten Album "A force majeure" haben Tora nun endlich eine Colours Sessions bekommen. In den bunten Berliner Studios können die Australier ein Stück des neuen Albums performen. "In deeper" steht dabei stellvertretend für die Synthie-Melodien, die sich im Hirn festsetzen und mit dem neuen Werk endgültig zum Markenzeichen der Band geworden sind.
Die Jungs, die schon länger in Amsterdam zu Hause sind, verstehen es blendend, eine unwiderstehliche Mischung aus tanzbaren und nachdenklichen Elementen hinzubekommen. Das ist höchst niveauvoller Pop. "A force majeure" ist frisch veröffentlicht und enthält 11 Tracks anspruchsvoller Kunst.

www.toramusic.com.au

Dub di Dub

Nils Frahm, der alte Jazzer, war bisher des Dubs unverdächtig. Und auch gemeinsam mit F.S. Blumm macht er sich des Plagiats unschuldig. Denn das Ergebnis der erneuten Zusammenarbeit ist zwar dem Dub gewidmet, dieser unwiderstehlichen Musik, die auf Jamaica zu Beginn der 1970er erfunden wurde. Doch bezieht der Dub von Blumm und Frahm auf "2x1=4" seine Spannung nicht aus der kreativen Simplizität jamaicanischen Dubs, der von dem Ein- und Ausblenden verschiedener Tonspuren lebt. Der Dub der beiden Berliner hat seine Wurzeln mehr in elektronischer Musik, nutzt synthielastige, heftig verhallte Klänge.
Damit bewegen sich die Beiden im Bereich der digitalen Dichter und Denker, werden aber deswegen vermutlich nicht im Team Laschet enden. Dafür ist "2x1=4" zu cool geworden, denn auch Frahm und Blumm haben die unverzichtbare Basis guten Dubs erkannt: Eine solide Bassline.
"2x1=4" erscheint morgen bei Frahms hauseigenem Label LEITER und sei allen Fans der entspannten Unkonventialität wärmstens ans Herz gelegt.

www.fsblumm.de
www.nilsfrahm.com

Ein trauriger Tag - Lee Scratch Perry ist tot

schwarzsehenAm Sonntag, dem 29.08.2021 verstarb Lee Scratch Perry. Der Mann, der dem Reggae zu jeder Zeit neue Impulse gab, ist 85 Jahre geworden. Sein Leben endete in Jamaica, wo Perry geboren wurde, und in das erst zu Beginn des Jahres zurückgekehrt war, nach dem er viele Jahre in der Schweiz lebte.

Zur Erinnerung veröffentlichen wir noch einmal unsere Rezension zu seinem letzten vollständigen Album von 2019, in der wir bereits ahnten, dass die Musikwelt nicht mehr viel Neues vom Genius des Reggae hören wird.

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I love Pop

Im letzten Jahr ging Eyedress richtig steil mit seinem Album "Let's skip to the wedding". Das ist nicht immer die beste Voraussetzung bei der Produktion eines neuen Albums. Der Kalifornier hat aber einfach weiter gemacht und haut ein Jahr später den Nachfolger "Mulholland Drive" raus.
In 16 teils nur 2-minütigen Tracks frönt Eyedress seiner speziellen Variante des Electro-Pop. Idris Vicuña, wie Eyedress von seinen Eltern genannt wurde, klöppelt auf "Mulholland Drive scheinbar alles zusammen, was nicht niet- und nagelfest in seinen Plattenkisten liegt. Da klingt es manchmal krautrockig, nach Wave-Gitarren, wie R&B oder auch furchtbar seicht und schmalzig. Immer gepaart mit einer kräftigen Lässigkeit des amerikanischen Musikers und Produzenten, der dabei von einigen Kollaborateuren unterstützt wird, wie z. B. DāM-FunK, Vex Ruffin, Dent May und King Krule.
Das macht das neue Album abwechlungsreich und unverwechselbar. "Mulholland Drive" erscheint morgen bei Lex Records.

www.instagram.com/eyedress

 

Kimono ohohoh

Darf man heute eigentlich noch Rockmusik sagen? Oder doch besser Indie-sowieso oder Alternative-bla. Aber wenn die Mucke (ist das pc?) von Moped Ascona nicht gerader Rock ist, was denn dann? Überhaupt: Heißt eine Indie-Band Moped Ascona?
Mein Gott, sind das viele Fragen. Obwohl alles so klar ist. Moped Ascona veröffentlichen morgen ihr neues Album "Kismet Habibi". Ein 1a-Rockalbum, das es auch als Langspielpaltte gibt. Ein Album, das klassisch mit gesicherter Bierversorgung entstand. Ein konstanter Alkoholpegel als Basis. Auch Dosenbierpop für die Musik von Moped Ascona hört sich nicht ganz falsch an. Dass diese Band ein Insta-Account hat, ist ein Wunder. Eigentlich müssten es Pappschilder sein.
Manches kann so einfach sein! Darauf erstmal einen Piccolo...

www.instagram.com/mopedascona

 

Kopfnicken mit Genuss

Das ist gepflegter Soul, unterschwelliger Jazz, cooler Funk und wummernder R&B, den uns Swindle mit seinem neuen Album "The new world" anbietet. Es ist das inzwischen vierte Album des Briten, der mit dem Vorgänger "No more normal" vor zwei Jahren aufhorchen ließ.
Dementsprechend ist Swindle für das im Oktober erscheinende "The new world" bei BMG gelandet, nachdem er bisher bei unzähligen britischen Musiklabels veröffentlicht hat. „Darkest Hour" ist ein funkiger Soul-Track mit einer emotionalen Geschichte, dass man sich oft an einem dunklen, einsamen Ort befindet, bevor man dann gemeinsam wieder aufersteht.
Ein schönes Appetithäppchen für "The new world". Ein Album, für das Swindle eine Reihe namhafter Musiker.innen von der Insel gewinnen konnte, wie beispielsweise Greentea Peng, Loyle Carner, JNR Williams und Knucks.

www.swindle.world

Seid willkommen

Mit ihrem neuen Song liefert Tina ein starkes Statement zu zu Flüchtlingspolitik und Fremdenhass. So wie man es sich häufiger wünscht in der deutschen Musikszene. "Wir haben Platz" bringt auf den Punkt, was viele Menschen in Deutschland denken und was einige wenige gerne niederschreien würden.
Tyna niederzuschreien wird aber schwierig. Die Hamburger Band steht für geraden, lauten Rockpop mit Punkelementen. "Wir haben Platz" startet mit einem feinen 80er Jahre Keyboard, legt dann richtig los und steigert sich bis zum Refrain. Der ist richtig catchy, so dass man sich den Song sehr gut live vorstellen kann, wenn viele Leute einstimmen bei der Textzeile "Wir haben Platz".
Und Tyna kündigt weiteres Material an, das Haltung zeigt und trotzdem richtig Spaß machen soll.

www.tynamusik.de

Sommerfreizeit in Novaa

Das neue Album von Novaa durchzieht eine gewisse Kirchentagsromantik. "She's a rose" ist vordergründig ein gitarrenbasiertes Songwriter-Album. Daraus lässt sich in heutiger Zeit mit Laptop und Keyboard natürlich mehr machen als ein Kerzenlicht-Langspieler.
Und das tut Novaa. Mit viel Gefühl für den Song und besonders gutem Gespür, wann ein ein Song enden soll, hat die junge Künstlerin während der Corona-Isolation an den 11 Stücken gearbeitet und das Grundgerüst mit nachträglicher Hilfe von befreundeten Musikerinnen und Musikern bearbeitet. So entstanden intensive Songs, weil Novaa inhaltlich auch vor Schmerzhaftem nicht Halt macht. "She's a rose" ist dadurch ein bemerkenswertes Statement einer jungen Frau.
Ein Album, das es nicht verdient, nach erstem Hören direkt einen Stempel verpasst zu bekommen. Vergesst also eure Lagerfeuer-Erinnerungen.

www.areyounovaa.com

Party am Polarkreis

Das ist interessant, den Clip zu einm Song namens "Blue racecar" in schwarz-weiß zu belassen. Doch trifft es dennoch den Kern, denn schwarz-weiß ist die Nacht, in die dieser Track von Sassy 009 zweifellos gehört. "Blue racecar" ist ein Clubding. Beats aus der Büchse, Flächensynths im Hintergrund und hochgepitche Vocals. Also Hände in den Himmel, Augen zu und tanzentanzentanzen.
Sassy 009, die im richtigen Leben Sunniva Lindgård heißt, zeigt uns, dass aus Norwegen nicht nur düstere Sounds und esoterischer Gesang kommen. Nichtsdestotrotz ist "Blue racecar" sehr gut in langen Nächten aufgehoben, auch wenn Sassy 009 den Song mitten im langen Mittsommer veröffentlicht. Warten wir mal ab, was die Frau im Herbst raustut.

www.sassy009.world

Schnauzbart und Bundfalte

Eine Wohltat, endlich einmal wieder ein nicht spotify-kompatibles Intro genießen zu können. Der Dank dafür gebührt Keshavara und dem neuen Song "Ayukah". Das ist eine coole Soulnummer, die es bei jeder Abiparty des Jahres 1984 ganz oben in die Playlist geschafft hätte.
"Ayukah" ist die erste Single des kommenden Keshavara Albums "Kabinett der Phantasie", das im Oktober erscheint. Es wird das zweite Album der Band sein, die zum überwiegen Teil ein Projekt von Keshav Puroshotham und seinem Partner Niklas Schneider ist. Und erneut schieben die beiden ihren Einkaufswagen durch die Regalgänge der Musikgeschichte und zimmern daraus tatsächlich ein Kabinett der Phantasie. Transzendenz, Psychedelik, viel Soul und menschliche Wärme zeichnen das Album aus wie die Single "Ayukah" doch wohl beweist.
Bis Oktober habt ihr nun Zeit, euch das passende Outfit im Vintage-Laden um die Ecke zu besorgen. Für die anstehenden Keshavara-Parties.

www.keshavara.bandcamp.com