Vor 40 Jahren

reg2Am 9. Mai 1981 kehrte Bob Marley aus Deutschland zurück, wo er ein halbes Jahr versucht hatte, sein bereits weit fortgeschrittenes Krebsleiden mit Hilfe eines bayrischen Alternativmediziners am Tegernsee zu besiegen. Er schaffte es nur noch bis Miami und verstarb dort am Mittag des 11. Mai im Cedars of Lebanon Hospital. Erst als toter Mann kehrte er wenige Tage später nach Jamaika zurück.

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Wo genau liegt Pompano?

In der letzten Woche veröffentlichte der kanadische Musiker Mudie seine neue EP „Pompano“. Beim Start mit dem Titeltrack kommt man nicht auf die Idee, das Hugo Mudie eine ausgeprägte Punkvergangenheit hat. Das hört sich mehr nach schrägem Chanson an mit einem heftigen 80er Flair. Auch beim nächsten Stück „L’aeroport“ fühlt man sich deutlich stärker an das Sonnendeck der Aida erinnert als an Johnny Rotten.
Bei allen vier Stücken der neuen EP positioniert der Kanadier intensive, verzerrte Gitarren im Mittelpunkt und staffiert das mit einem Drumcomputer aus, den er vermutlich auf dem Flohmarkt erstanden hat. Das hat etwas von heißen Tagen auf südfranzösischen Campingplätzen mit ungekühltem Bier und viel zu süßem Pastis. Irgendwie cool…

www.hugomudie.com

Kosmischer Synthie-Soul

Hemai kombiniert Soul und Jazz mit Schattierungen aktuellster Elektronik in brillanter Art und Weise. Der 22-jährige transzendiert seine Musik mit Leichtigkeit ins Himmlische. Geerdete Sounds mit den Wurzeln im Guten von Gestern gehen ab ins Spacige.
Dabei schreckt Hemai nicht vor ganz deepem Soul zurück oder antiquierten Discosounds, ist nicht fies vor Violinen und schönen Gitarren. "Von seiten der Produktion experimentiere ich mit dem Konzept des Weltalls, bringe meine bevorzugten Sounds aus der ganzen Welt zusammen und verflechte sie mit UK Roots", fasst Hemai das prägnant zusammen.
"Love dancer" ist ein Stück aus dem hervorragenden Debüt-Album von Hemai und hier in einer Wohnzimmer-Liveversion zu sehen. Spritzige Elektronik mischt sich hier mit angenehmen Bass und zurückhaltendem Piano. In dieses Setting schlägt der Gesang von FiFi Robo tiefe Wurzeln. Diese Intensität ist kaum zu toppen, genau wie bei der Album-Version von "Love dancer", die mit knackigen Drums aufwartet und dadurch in eine ganz andere Richtung geht.
"Strange beauty" wird morgen bei Tru Thoughts veröffentlicht und ist wärmstens zu empfehlen.

www.instagram.com/hemaimusic

Funk und Jazz und Sauerkraut

Die britische Band Squid veröffentlicht übermorgen ihr Debütalbum "Bright green field" und ist jetzt schon mit einem gewaltigen Vorschusslorbeerkranz geziert. Das renommierte Magazin Pitchfork bezeichnete eine der vorlaufenden EPs von Squid als "endgültige Grenzenlosigkeitserfahrung". Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass im Zusammenhang mit Squid immer auch der Begriff Krautrock fällt, dieses Genre, das alle Musikexperten im Mund führen, aber niemand wirklich definieren kann.
Den fünf Jungs von Squid kann man aber diese avantgardistische Herangehensweise an Musik zugute halten, die auch die bundesdeutschen Krautrocker der 70er Jahre auszeichnete. Das Debütalbum wirkt dennoch geerdet, was möglichwerweise darauf zurückzuführen ist, dass "Bright green field" überwiegend in der Stammkneipe von Ollie Judge in Chippenham entwickelt wurde. Der Pub stand zu Pandemiezeiten als Proberaum zur Verfügung und dort haben Ollie, Louis Borlase, Arthur Leadbetter, Laurie Nankivell und Anton Pearson den rockigen Sound entwickelt und mit Funk und Jazz verziert.
Das ergibt eine progressiv-explosive Mischung an Sounds, die dem Krautrock alle Ehre macht. Der ganzen Wahrheit halber, muss ich aber auch gestehen, dass meine Frau mich gerade eben mit dem Koffer in der Hand dringlich aufgefordert hat, Kopfhörer zu benutzen, sonst...

www.squidband.uk

Sand ins Getriebe und Oehl ins Feuer

Oehl ist wieder zurück mit dem Mix aus schwerem Pop und Lyrik in HD. Diese eindeutigen Stärken der Wiener Band werden nun gebündelt für ein Konzeptalbum, das sich Kapitalismuskritik auf die Fahnen schreibt und dessen erste Single folgerichtig "Arbeit" heißt. Das komplexe Thema wird in den Händen von Oehl auch zu Statements hinsichtlich der Schattenseiten der Sebstverwirklung und zum Verkümmern menschlicher Kontakte.
Das hört sich extrem problemorientiert an, aber womöglich bieten Ariel Oehl und Hjörtür Hjörleifsson mit dem neuen Werk auch Lösungen, denn das Album wird "100% Hoffnung" heißen. Diese Hinwendung zur Besserung, das gemeinsame Verändern der Verhältnisse steht auch im Mittelpunkt des Videoclips zu "Arbeit".
Oehl bleibt eine besondere Band. "100% Hoffnung" dient als Beweis und wird am 02. Juli veröffentlicht.

www.oehlmusic.com

Bestimmt audiovisuelle Kunst

Außer perfekt gefönten Haaren zeigt der Videoclip nichts wirklich Wichtiges. Oder habe ich etwas nicht verstanden? Schließlich ist Saskia Hahn nicht nur Musikerin, sondern beschäftigt sich bereits seit Langem mit visual arts und stellt als Künstlerin weltweit aus.
Zumindest lenkt das Video nicht von der Musik ab und das ist doch entscheidend. Denn die ist ausgesprochen gut gelungen. The Heartways ist das neue Projekt von Saskia Hahn, die vielen vielleicht bekannt ist als Tourgitarristin von Pop-Ikone Peaches. Mit dem nicht mehr ganz taufrischen "By your side" liefern The Heartways nun einen Vorgeschmack auf das für dieses Jahr geplante Album. "By your side" ist ein feines Stück Indie-Pop mit einem treibendem Basslauf, knackigem Schlagzeug und mit fetten Gitarrenbreitseiten. Dazu ein klassisch-schönes Arrangement. Fertig ist der Lack. Super zu hören, gucken muss man nicht.

Jack Dalton & the Cactus Boys

Das ist vermutlich der Ostseestrand, an den diese Jungs im neuen Clip gespült werden. Denn Surf sounds finden sich nicht nur in Kalifornien. Jack Dalton und seine Cactus Boys sind nämlich waschechte Kieler und dort im Norden bereits Gesprächsstoff. Mit "¡Ten Cuidado!" ist jetzt die erste Single der Newcomer-Band am Start, von der Debüt-EP "Milkshake robbery", die heute La Pochette Surprise erscheint.
Die EP verfügt über fünf Songs mit surfigen Spaghetti-Gitarren, Garage Sound und zu guter Letzt wurde noch eine Prise Pop und Psych hinzugefügt. Eine echte Partykapelle, diese Cactus Boys!

www.instagram.com/cactus_boys

Eine gute Figur

Ob als Tänzer, Musiker oder Skater. Dino Brandão macht immer eine gute Figur. Obwohl bei ihm irgendwann traurigerweise Multiple Sklerose festgestellt wurde. Das wegzustecken und in Musik umzusetzen wie nun bei seiner ersten Single "Bouncy castle", verlangt höchste Anerkennung.
Für Dino ist die Hüpfburg - bouncy castle - ein Zeichen für die Auf und Abs des Lebens, ein Sinnbild für das Stehaufmännchen. Demenstprechend ist "Bouncy castle" ein Stück geworden, das großartig zwischen Ballade und Tanzfläche schwingt und swingt. Ein fast schon brasilianischer Touch verschmilzt darin mit spacigen Synths und der Gitarre, die den Song über dreieinhalb Minuten trägt. "Bouncy castle" besitzt die Fähigkeit für Trauer und Hoffnung zu stehen, für Gelingen und Mißlingen.
Ein sehr gelungener Start in die Solokarriere, der verbunden ist mit der Freude, demnächst noch viel mehr von Dino Brandão zu hören.

www.dinobrandao.com

Hereinspaziert

Alex Mayr hat ein Händchen für gute Popsongs. Das kann man auf ihrem ersten Album "Wann fangen wir an" aus dem letzten Jahr nachhören. Jetzt wird der Nachfolger "Park" angekündigt. Wiederum gemeinsam mit Konrad Henkelüdeke verbreitet Alex darauf Soundtrackpop, wie die Popakademie-Absolventin ihre Musik gerne selbst nennt.
Die erste Veröffentlichung vom kommenden Album ist der Track "Eingang" und kennzeichnet eventuell eine Weiterentwicklung von Alex' Sound. Kurzzeitig haut einen der Refrain um und am Ende ist man ganz gespannt, wie es bei "Park" weitergeht, wenn man erst einmal den Eingang gefunden hat.

www.alex-mayr.com

 

Hoffentlich bald Frühling

Der neue Song von klebe ist einer dieser Momente, auf die sich zu warten lohnt. Tausend Stunden Radio für umsonst, Spotify abgehakt und dann kommt "Es ist Frühling". Dermaßen unspektakulär, dass die große Gefahr beteht, es zu überhören. Wofür man sich dann aber ohrfeigen müsste.
"Es ist Frühling" ist ein Lied für alle, denen es richtig scheiße geht, denen es mal richtig scheiße ging und für alle, die jetzt noch gar nicht wissen, dass es ihnen mal richtig scheiße gehen wird.
Liza Ohm hat mit der ersten Single ein wahnsinnig beeindruckendes Debüt als klebe abgeliefert. Der Song verpackt wichtige Worte in einer erschreckenden Beiläufigkeit und beschreibt in vier Minuten die Schwierigkeiten depressiver Menschen und deren Begleiter in nahezu umfassender Art und Weise. Am Ende weiß man nicht, ob lächeln oder weinen besser passt. Die Vielfalt der Emotionen, die  "Es ist Frühling" transportiert, ist unfassbar groß. Die Einfachheit des Songs steht der Komplexität der Aussage in genialer Weise gegenüber. Der Song ist eine echte Perle!

www.klebemusik.de

Soeckers sucht Athletiktrainer

Es ist schon besser, dass die die vier Jungs der Münsterländer Kapelle Musiker geworden sind. Für eine Sportkarriere hätte es bei dem ein oder anderen wohl nicht gereicht, wie der neue Videoclip von Soeckers zeigt. Darin laufen die Sportskanonen entsprechend des Refrains "Für dich lauf ich im Leben nicht irgendwo mehr hin" etwa 2 Minuten am Stück einen ebenen Wirtschaftsweg zwischen Feldern und Kraftwerken in der Abensonne entlang. Und das bereitet offensichtlich Probleme bei Einzelnen.
Musikalisch dagegen geben Soeckers richtig Gas. Im Herbst letzten Jahres erst das Debütalbum, jetzt schon wieder neue Songs, von denen "Im Leben nicht" nun als erster Premiere feiert. In Wien unter der Leitung von Wanda-Produzent Paul Gallister eingespielt, manifestiert "Im Leben nicht" den poppigen Indie-Rock britischer Prägung der Band. Der neue Song ist einer von 14 neuen, die bei der Wiener Session entstanden. Es zeichnet sich also ein neues Album als Silberstreif am Horizont ab.

www.soeckers.de

Ein Jambalaya des Ausdrucks

Mit dieser kulinarischen Umschreibung charakterisiert Greentea Peng ihr kommendes Album "Man made", aus dem uns die Britin mit "Kali V2" einen weiteren Auszug serviert. Wer Jambalaya bereits einmal kosten konnte, der weiß, dass dieser Südstaaten-Klassiker mit Einflüssen aus aller Welt eine Aromabombe sondergleichen ist. Wenn Greentea Peng nun ihr Debütalbum damit vergleicht, zeigt es die Ausrichtung von "Man made". In achtzehn Stücken wird Greentea Peng ihre Sicht auf die Welt, auf viele Facetten des Zusammenlebens und einen Einblick in ihr Innerstes geben. Die aktuelle Single "Kali V2" ist daher exemplarisch für das Album.
Die exaltierten Outfits der Künstlerin reflektieren den changierenden Sound zwischen Neosoul, Trip und Hip Hop, Reggae und Ragga. Die entspannten Klänge des Albums resultieren nicht nur aus den Rauchwaren, die Bestandteil jedes Videoclips von Greentea Peng sind, sondern offensichtlich auch aus der Frequenz von 432 Hertz. Die Frequenz, in der "Man made" aufgenommen wurde, was nicht den Gewohnheiten der Musikindustrie entspricht. Das ist "deliberately detuned out of any Babylon standard", wie es GTP selbst beschreibt.
Somit erwartet uns ein extraordinäres, extravagantes Album und ich persönlich halte den 4. Juni, wenn "Man made" das erste Mal auf meinem Plattenteller rotieren wird, für einen Festtag. Deshalb: Fett im Kalender!

www.greenteapeng.net

Gift oder Medizin?

Tut's gut oder wird's schlimmer? Alles eine Frage der Dosis, die Schmyt aber offensichtlich drastisch erhöht hat. Im neuen Song "Gift" dreht es sich um das alte Thema: Kann ich Trennungsschmerz mit Alkohol bekämpfen? Na sicher, niemandem ist bisher Besseres eingefallen.
Diese schwerwiegende Thematik dekliniert der Berliner Musiker in schräger Poesie, die ihn in nullkommanichts zur heißen Nummer im deutschen Pop machen soll. Dort kennt er sich aus. Denn hinter Schmyt verbirgt sich Julian Schmit, der einst mit der Band Rakede sphärischen Reggae-Dubstep-Pop und 2013 den unvergesslichen Track "St. Tropez" in die Welt setzte. Der Rakede ist nun der Sprit ausgegangen, Schmit ist jetzt Schmyt und fokussiert sich derzeit auf Rap-Trap-Pop.
Jetzt ist gerade Schmyts Debüt-EP "Gift" bei Division Entertainment erschienen. Darauf verschneidet der Typ seine eckige Lyrik mit den Beats bekannter Produzenten wie Bazzazian, Alexis Troy und Farhot. Schmyt klingt trotzdem nicht wie Hinz und Kunz. Das ist vielversprechend.

www.instagram.com/derschmyt